Ein Lehrstück gescheiterten Projektmanagements
Weltoffenheit, internationale Verständigung und die Überwindung von Grenzen: Dafür sollte der neue Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER) stehen. Stattdessen steht er heute für mangelnde Verständigung und grenzenlose Misswirtschaft. Er wurde zum Mahnmal für gescheitertes Projektmanagement.
Vorgesehen war eine Bauzeit von fünf Jahren. Bis zur Eröffnung 2020 waren jedoch 14 Jahre vergangen. Zudem vervielfachten sich die Kosten. Statt anberaumter 2 Mrd. Euro verschlang der neue Flughafen mehr als 7 Mrd. Euro.
Aus heutiger Sicht war das absehbar. Schon zu Beginn standen Kompromisse über professionellen Planungsstrukturen. Statt auf erfahrene, unabhängige Projektmanager setzte man auf eine öffentlich geführte Betreibergesellschaft, die kaum Erfahrung mit vergleichbaren Großprojekten hatte. Weil es keine zentrale Steuerungseinheit gab, wurden Planung, Bauausführung und Kontrolle unzureichend koordiniert – über Jahre hinweg. Subunternehmer arbeiteten teils ohne einheitliche technische Standards, Projektleiter wechselten, Schnittstellenprobleme wurden vernachlässigt, Zuständigkeiten verwässert und Planungsänderungen kurzerhand beschlossen.
Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Hafen der richtige.
Zudem war das Risikomanagement mangelhaft. Frühwarnsysteme waren ineffizient oder gar nicht erst vorhanden, was sich besonders beim Brandschutzsystem abzeichnete. Statt auftretende Probleme systematisch zu analysieren und zu beheben, improvisierte man Teillösungen, was einen Rattenschwanz an Nachjustierung, Neuabstimmung und schließlich jahrelange Verzögerungen nach sich zog. Auch das Qualitätsmanagement versagte. Prüfprozesse verliefen unkoordiniert, viele Fehler wurden erst in späten Projektphasen identifiziert. Ein ganzheitliches Controlling, das Baufortschritt, Kosten und Qualität verknüpft hätte: Fehlanzeige.
Das Erfolgsrezept robuster Projektsteuerung – klare Rollenverteilung und stabile Leitung – wurde beim BER vernachlässigt. Seine planerischen, koordinativen und kommunikativen Versäumnisse wirken bis heute nach. Sie bezeugen, was passiert, wenn Projektmanagement zur Nebensache gerät..