Podcast über Nachhaltigkeit in der Industrie

Die Fabrik von heute ist im Wandel. Doch wohin gehen die Transformationsprozesse? Tobias Herwig, Business Unit Manager Factory Design bei io, bringt Licht ins Dunkel: In seinem Podcast „Fabrik der Zukunft“ spürt er cleveren Konzepten, smarten Technologien und kühnen Ideen nach, die die Produktionsbedingungen von morgen prägen. Seit Februar 2021 unterhält er sich wöchentlich mit Werkleitern, Fabrikplanern, Produktionsmanagern und anderen spannenden Persönlichkeiten. Er diskutiert mit ihnen über Zukunftsvisionen, Best Practices und den Mut, den es braucht, um die industrielle Revolution zu meistern.

In dieser Serie gibt es den Podcast erstmals zum Nachlesen – hier mit der Folge #122. Tobias Herwig spricht mit Christian Erbe, CEO und geschäftsführender Gesellschafter der Erbe Elektromedizin GmbH. Er berichtet im Gespräch über das neue Erbe- Werk. Über dessen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Und warum es mithilfe der io- Leistung Generalplanung // plus konzipiert wurde.

Erbe entwickelt und produziert Geräte und Instrumente für die Elektrochirurgie. Mit mehr als 1.600 Mitarbeitern ist sie in 110 Ländern aktiv. Mit dem Projekt Erbe 4.i hat Erbe ein neues Werk an seinem Standort in Rangendingen, in der Nähe von Tübingen, gebaut. Auf 25.000 Quadratmetern befinden sich Produktion und Logistik, aber auch Verwaltung und Entwicklung. Die Investitionssumme beträgt 90 Millionen Euro. Was war der Grund, dieses neue Werk zu bauen?

Expansion. Vor allem im Sektor des Instrumentenbaus. Das war die grundlegende Idee hinter der Planung und Konzeption des Werks.

Wie sieht das Werk aus? Und was macht es aus?

Die Produktion an sich macht es aus – auf zwei verschiedene Arten: die mechanische Produktion und die sogenannte Reinraumproduktion. Innerhalb dieser fertigen wir Instrumente, für die wir eine spezielle Infrastruktur brauchen. Unser Reinraum ist riesig. Wir können die Fertigungsstraßen flexibel in ihm unterbringen. Obenauf haben wir auch ein automatisiertes Hochregallager, um größere Einheiten unterbringen zu können. Und dann wäre da natürlich der große Logistikbereich, um die Instrumente und auch andere Produkte zu versenden – weltweit, wir haben Kunden in 110 Ländern.

Unser Architekt Jeremy Hotchkiss hat die Architektur des neuen Werks maßgeblich mitgestaltet. Wie würden Sie diese beschreiben?

Rangendingen ist in eine wunderschöne Waldlandschaft eingebettet. Jeremy hatte die Idee, das Gebäude wie einen liegenden Baumstamm aussehen zu lassen, sodass es sich schön in die Natur einfügt. Gestaltung und Funktion mussten dafür zusammengeführt werden. Indem wir in der Mitte des Gebäudes eine Zentralachse für die Mitarbeiter haben, die sich von vorne bis hinten durchzieht, ist das sehr gut gelungen. Dann gibt es einen großen, mehrstöckigen, freien Bereich. Hier können unsere Mitarbeiter zusammenfinden. Auch unser Betriebsrestaurant ist dort untergebracht. Es ist der soziale Mittelpunkt des Gebäudes.

Welche Bedeutung hatte für Sie das Thema Nachhaltigkeit bei dem Projekt?

Wir wollten keinen Stahl benutzen, wenig Glas und möglichst keinen Beton. Aus statischen Gründen kamen wir allerdings nicht komplett ohne aus. Das meiste ist jedoch aus Holz, inklusive der tragenden Strukturen. Ebenso die Außenhaut und natürlich die Verkleidungen.

Ich habe gelesen, dass mehr als 2.000 Tonnen CO2 im Gebäude durch den Holzanteil gebunden sind. Wie verhält sich sein Energiebedarf zur Energieerzeugung?

Wir haben darauf geachtet, dass das Gebäude sehr gut gedämmt ist und dass wir den KfW 40 EE-Standard erreichen. Wir wissen es momentan noch nicht sicher, aber möglicherweise haben wir deutschlandweit das erste Industriegebäude mit diesem Standard gebaut. Zusätzlich haben wir eine Photovoltaikanlage mit einem Megawatt Leistung auf dem Dach realisiert. Ungefähr ein Drittel des Energiebedarfs können wir mit ihr abdecken.
 

Christian Erbe und Tobias Herwig auf der Baustelle

Werksbesuch Christian Erbe empfängt Tobias Herwig

Welche Bedeutung hatte für Sie das Thema Nachhaltigkeit bei dem Projekt?

Wir wollten keinen Stahl benutzen, wenig Glas und möglichst keinen Beton. Aus statischen Gründen kamen wir allerdings nicht komplett ohne aus. Das meiste ist jedoch aus Holz, inklusive der tragenden Strukturen. Ebenso die Außenhaut und natürlich die Verkleidungen.

Ich habe gelesen, dass mehr als 2.000 Tonnen CO2 im Gebäude durch den Holzanteil gebunden sind. Wie verhält sich sein Energiebedarf zur Energieerzeugung?

Wir haben darauf geachtet, dass das Gebäude sehr gut gedämmt ist und dass wir den KfW 40 EE-Standard erreichen. Wir wissen es momentan noch nicht sicher, aber möglicherweise haben wir deutschlandweit das erste Industriegebäude mit diesem Standard gebaut. Zusätzlich haben wir eine Photovoltaikanlage mit einem Megawatt Leistung auf dem Dach realisiert. Ungefähr ein Drittel des Energiebedarfs können wir mit ihr abdecken.

Wie berücksichtigt man die Menschen in so einer Architektur? Und in der Fabrik selbst?

Uns war wichtig, einen sozialen Sammelpunkt zu haben. Wir bauen gerade unser neues „Stammlokal“ – eine öffentliche Kantine, die sich auch schon am Standort Tübingen bewährt hat. In der Mitte des Gastraums wird ein Baum stehen, dessen Äste sich über den gesamten Essensbereich erstrecken.

Schafft dies einen tatsächlichen Mehrwert, der sich auch auf die Produktion auswirkt?

Ja, klar. Wenn man Leben und Arbeit ein Stück weit zusammenführt, dann fühlt man sich einfach wohler – was einen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat und den Spaß an der Arbeit voranbringt.

Wenn wir über Nachhaltigkeit reden: Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus?

Wir haben uns ein großes Ziel gesetzt. Die Extras werden zusätzlich kosten, aber wir erwarten auch eine Rendite. Sie genau zu spezifizieren ist schwierig. Das Gesamtkonzept muss so aufgestellt sein, dass es sich kaufmännisch rechnet. Als Familienunternehmen haben wir aber kein Quartalsdenken. Stattdessen denken wir mittel- und langfristig. Wir sind aktuell in der fünften Generation unterwegs. Deshalb sehen wir auch etwas in die weitere Zukunft.

Lassen Sie uns über das Konzept der Generalplanung // plus reden – was in diesem Kontext heißt, dass eben nicht nur die Architektur aus einer Hand kommt, sondern zusätzlich auch Produktion, Logistik und IT. Warum haben Sie sich für die Generalplanung // plus entschieden?

Im ersten Schritt haben wir ermittelt, welche Prozesse untergebracht werden müssen – und die Gebäudehülle erstmal nicht berücksichtigt. Dass das ein langer Planungsvorlauf ist, wird manchmal ignoriert. Deshalb ist man gut beraten, einen Partner zu finden, der Erfahrung mit den verschiedensten Produktionsarten hat. Beispielsweise haben wir auf der Grundfläche nicht alle Funktionen unterbringen können. Also mussten wir mehrgeschossig planen. Das Ganze war ein bisschen wie das Zusammenfügen verschiedener Bausteine – was nicht einfach war. Es ist immer sehr gut, wenn jemand aus anderen Industriebereichen Verbesserungsvorschläge einbringt. Insgesamt glauben wir, dass wir unsere Effektivität sehr deutlich steigern können.

Was waren Ihre Highlights im Planungsprozess?

Zunächst einmal das Treffen mit den Architekten, um zu schauen, ob man auf der gleichen Wellenlänge liegt – was hier gegeben war. Das Ansehen der Entwürfe von Jeremy Hotchkiss hat mir persönlich am meisten Spaß gemacht. Auch den kreativen Moment zu beobachten, der ein Gebäude aus den Prozessen und Anforderungen entstehen lässt, fand ich spannend. Ein großes Highlight war außerdem die 3D-animierte Darstellung des Gebäudes und dessen Visualisierung. Außerdem das symbolische Richtfest. Am Ende haben wir groß gefeiert.

Blick auf Fassadenelemente aus Holz, Beton und Stahl

Hauptsache Holz: Das neue Erbe-Werk in Rangendingen verzichtet weitestgehend auf Stahl, Glas und Beton.

Gibt es auch Herausforderungen, die Sie mit uns teilen wollen, und Ergebnisse, auf die Sie jetzt im Nachgang besonders stolz sind?

Ja, eine Herausforderung war die kurze Bauzeit. Das war sehr ambitioniert. Viele Gewerke mussten parallel laufen. Es waren daher sehr viele Trupps gleichzeitig auf der Baustelle, die arbeiten und ineinandergreifen mussten. Das hat manchmal gut und manchmal schlecht funktioniert. Die Gesamtanmutung ist aber wirklich großartig geworden. Man sieht, dass die Proportionen stimmen und ein großes Ganzes bilden.

Vorhin sagten Sie, Sie würden in gewisser Weise schon an die nächste Generation denken. Was ist dabei Ihre Unternehmensvision?

Die Planung des Werks in Rangendingen ist von Beginn an so ausgelegt worden, dass wir die Produktionsfläche verdoppeln können.
 

Christian Erbe und Tobias Herwig freuen sich über Feedback zur Episode über LinkedIn oder an

podcast(at)fabrikderzukunft.com