Dr. Joachim Freudenberg, Projektmanager bei io, im Gespräch
Zentral ist eine gründliche Bedarfsplanung des Bauherren mit klar formulierten Zielen. Dann sollten alle Entscheider frühzeitig einbezogen werden. Zwischenergebnisse sind mit den Zieldimensionen der Stakeholder abzugleichen. Außerdem ist die rechtzeitige Integration und die kontinuierliche Steuerung aller Planungsbeteiligten wichtig. Werden Änderungen erforderlich, ist zügig zu reagieren, um planerische Anpassungen systematisch in den laufenden Prozess einflechten zu können.
Ja, das ist unerlässlich. In der Planungsphase geht es um die effektive Umsetzung der Projektziele, die technische Harmonisierung der Planungsaufgabe, die Konsolidierung aller Arbeitsstränge in einem Gesamtwerk und die Entlastung der Planer durch Übernahme von Steuerungs- und Koordinationsaufgaben. In der Ausführung verlagert sich der Schwerpunkt naturgemäß Richtung Bau, inklusive der damit einhergehenden Aufgaben. So treten die Terminüberwachung, Leistungssteuerung, Kostenverfolgung sowie das Nachtragswesen für alle ausführenden Gewerke stärker in den Vordergrund.
Er muss konzeptionell und systematisch planen können und dabei auf das Wesentliche fokussiert sein, um in kritischen Situationen die Übersicht zu behalten. Dann muss er seine eigenen Grenzen kennen, um zu wissen, welche Experten und Mitarbeiter einbezogen werden müssen. Weiterhin bedarf es Zielstrebigkeit, Integrität, Flexibilität, Kreativität und Belastbarkeit sowie profunder Fachkompetenzen. Und natürlich sozialer Kompetenzen, um ein Team koordinieren, motivieren und anleiten zu können.
Als Maschinenbauingenieur motiviert es mich insbesondere, komplexe Probleme in seine Einzelteile zu zerlegen, bewältigbare Arbeitspakete zu schnüren und strukturiert abzuarbeiten beziehungsweise den Problemlösungsprozess zu orchestrieren. Es bereitet mir Genugtuung, wenn aus den planerischen Anstrengungen etwas Greifbares entsteht. Vor allem, wenn die ganzheitliche Lösung ein Resultat der kollaborativen Arbeit von Kollegen unterschiedlicher Fachrichtungen ist.
Ein Projektmanager muss in der Lage sein, mit einem soliden fachlichen Verständnis die vielseitigen Aspekte einer Projektaufgabe zu steuern. Es braucht eine schnelle Auffassungsgabe und interdisziplinäre Erfahrung. Natürlich ist es von Vorteil, Architekt oder Bauingenieur zu sein, wenn in einem Projekt die Objektplanung im Vordergrund steht. In unseren Generalplanung // plus-Projekten geht es vor allem um das Zusammenwirken zwischen Objektplanung, den Fachplanungsdisziplinen, der Anlagentechnik und IT. Ein fachübergreifendes technisches Verständnis, das alle beteiligten Planungsdisziplinen abdeckt, findet sich in keinem Ausbildungsbild.
Tools wie Projekthandbücher, spezielle Software oder Schnittstellenlisten können langjährige Erfahrung und implizites Wissen nachhaltig sichern und einfach transportieren. Im Projektmanagement bilden sie die Basis einer wohlorganisierten, gut strukturierten Zusammenarbeit – auch bei komplexen Realisierungsprojekten. Sie dienen der Qualitätssicherung, können entlasten und standardisierte Aspekte der Projektarbeit unterstützen. Erfahrene Projektmanager ersetzen sie bis auf Weiteres jedoch nicht.
Jüngst haben wir mit einem langjährigen Kunden ein Projekt abrupt stoppen müssen – kurz vor dessen Abschluss. Das fiel mir sehr schwer. Eine Aufgabe nicht „erfolgreich“ abzuschließen, ein Projekt, in das man auch persönlich viel Zeit und Anstrengung investiert hat, vorzeitig ad acta zu legen, das widerstrebt meiner Natur. Große Genugtuung empfinde ich dagegen, wenn die eigene Leidenschaft für das Projekt auf andere übergreift. Vor Kurzem waren wir beispielsweise für die Abschlusspräsentation eines Masterplanungskonzepts bei einem Kunden. Wir präsentierten unsere Ergebnisse der einzelnen Planungsdisziplinen und sind von einer positiven Diskussion zu der nächsten gekommen. Die Begeisterung für die gemeinsame Projektarbeit füllte den Teilnehmerkreis mit Ideen, Motivation und Aufbruchstimmung. Auch wenn das etwas pathetisch klingt: Solche Momente, wenn die Augen der Beteiligten vor Begeisterung funkeln, haben etwas Magisches.