Stromtarife als Wettbewerbsvorteil

Herausforderungen bergen Chancen: Das klingt nach einer Binsenweisheit. Im Hinblick auf die Energiewende und volatile Strompreise ist sie durchaus als Appell zu verstehen. Denn produzierende Unternehmen können durch die Nutzung regelbarer Lasten sowie von zeitvariablen Stromtarifen ihre Energiekosten deutlich senken – zugunsten ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

Regelbare Lasten sind Verbraucher, deren Betrieb zeitlich verschoben werden kann, ohne die Produktionsqualität zu beeinträchtigen: Kühlanlagen, Druckluftsysteme, Wärmeerzeuger und andere Geräte, die in der Regel nicht kontinuierlich laufen müssen. Zeitvariable Tarife wiederum orientieren sich an Börsenpreisen oder der Netzauslastung. In Zeiten hoher Einspeisung von erneuerbaren Energien bieten sie günstigere Preise – unabhängig vom Energieversorger, denn diese sind seit 2025 verpflichtet, entsprechende Tarife anzubieten.
Kostenvorteile für produzierende Unternehmen ergeben sich hier speziell aus unterstützenden, aber essenziellen Nebenprozessen. Hierzu einige Beispiele aus der Praxis:

  • In der Lebensmittelproduktion werden Kühlprozesse zunehmend in Zeitfenster mit niedrigen Strompreisen verlagert, etwa in die Mittagszeit bei hoher Photovoltaikeinspeisung – was bis zu 20 Prozent Energiekosten einsparen kann.
  • In der Metallverarbeitung werden Druckluftanlagen nachts betrieben, während tariflich günstiger Zeitspannen. Das senkt nicht nur die Stromkosten, sondern auch die Netzentgelte, aufgrund reduzierter Lastspitzen.
  • Unternehmen, die Batteriespeicher einsetzen, können Strom in Niedrigpreisphasen speichern, um ihn später nutzbar zu machen – was Einsparungen von bis zu 30 Prozent ermöglicht.

Vorteile für Unternehmen

Die Vorteile liegen auf der Hand: direkte Kosteneinsparungen, optimierte Netzentgelte und höhere Nachhaltigkeit, da günstige Zeitfenster oft mit hoher Einspeisung von erneuerbaren Energien korrelieren. Zudem steigert die Fähigkeit zur flexiblen Lastverschiebung die Resilienz gegenüber Preisschwankungen – was Unternehmen unabhängiger von klassischen Tarifmodellen macht.

Technische Voraussetzungen

Um die Vorteile von regelbaren Lasten und zeitvariablen Stromtarifen auszuschöpfen, braucht es intelligente Messsysteme (Smart Meter), die viertelstündliche Verbrauchsdaten liefern. Ergänzend können Energiemanagementsysteme eingesetzt werden, um die Lastverschiebungen automatisiert zu steuern. Zusätzlich helfen Prognosetools für Preise und Lastgänge bei der Entwicklung der individuell optimalen Strategie.
Regelbare Lasten und zeitvariable Stromtarife zu verknüpfen, bietet eine konkrete Möglichkeit, um Energiekosten zu senken und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Wer jetzt investiert, sichert sich klare Wettbewerbsvorteile – vor allem, wenn die Maßnahmen obendrein mit der Installation einer PV-Anlage oder dem turnusgemäßen Tausch der Druckluftversorgung kombiniert werden.

io Mitarbeiter Tillmann Gauer
Tillman Gauer
Nachhaltigkeitsbeauftragter