Eine neue Pilot-Plant für Merck
Merck ist ein Wissenschafts- und Technologieunternehmen, dessen Geschichte bis ins Jahr 1668 zurückreicht. Damals eröffnete Merck in Darmstadt die Engel Apotheke, die es immer noch gibt – und zwar in Familienbesitz. Heute ist das Unternehmen ein globaler Player mit über 62.000 Mitarbeitern in 66 Ländern. Es ist in den Bereichen Healthcare, Life Science und Electronics tätig. Sein Dreh- und Angelpunkt befindet sich nach wie vor in Darmstadt: Am Hauptsitz arbeiten rund 11.000 Menschen. Eine Vielzahl an Experten verschiedener Gewerke sind schließlich auch nötig, um für Merck ein besonderes Projekt zu stemmen: Die Projektierung und den Bau eines Technikums, in dem Arzneien aller Darreichungsformen für die Forschung und für Zulassungszwecke hergestellt werden. Eine Fläche von gerade einmal 30 auf 70 Meter steht dafür im vierten Stock eines Bestandsgebäudes zur Verfügung. Schließlich soll der von Merck formulierte Nachhaltigkeitsgedanke keinesfalls ein Lippenbekenntnis bleiben. Er wird gelebt. „Dadurch, dass wir die zur Verfügung stehende Fläche im Bestand maximal ausnutzen, werden deutlich weniger Ressourcen aufgewendet“, erklärt Projektleiter Tim Walter. „Bei einem neu konzipierten Bau würde man vermutlich deutlich mehr Platz einplanen und somit einen erheblich größeren Einfluss auf die Umwelt nehmen.“
Gekonnt vereint: Die Anforderungen an Produktionstechnologie, Gebäudetechnik, Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Statik ...
Vierter Stock: Zukunft. In seinem neuen Technikum stellt Merck Arzneien für die Forschung und für Zulassungszwecke her.
Walter ist Senior Business Unit Manager im Geschäftsbereich Pharma/ Biotech bei io. Mit seinem Team, das seinen Sitz im Headquarter in Heidelberg hat, begleitet er seit 2016 die Generalplanung des anspruchsvollen Projekts. Der Drei-Schritte-Plan wird voraussichtlich 2024 abgeschlossen sein. Schritt 1 befasste sich mit Solida, also Medikamenten in Tablettenform. Schritt 2, der aktuell umgesetzt wird, dreht sich um sterile Arzneien für die parenterale Verabreichung. Das dritte und letzte Teilprojekt befindet sich ebenfalls bereits in der Umsetzung und soll im Sommer 2023 auf die Zielgerade einbiegen: ein weiteres Feststoff-Technikum, in dem vor allem neuartige Fertigungstechnologien zum Einsatz kommen werden.
Für Außenstehende ist ein Mammutprojekt wie dieses schwer zu überblicken, es klingt fast unmöglich, die vielen Anforderungen an Produktionstechnologie, Gebäudetechnik, Arbeitssicherheit, GMP, Umweltschutz und Arbeitsorganisation unter einen Hut zu bekommen. Gemeinsam mit Merck muss das Spezialisten-Team von io Lösungen für die sich stellenden Herausforderungen finden, welche die begrenzten Räumlichkeiten mit sich bringen. Und: Alles muss am Ende auch gut zugänglich gewartet werden können. Und dann wären da noch die Statik, die Einbringung großer Anlagenteile in das Bestandsgebäude, die Ver- und Entsorgungswege und, und, und.
Dabei ist allein schon die Arbeit mit den dort verarbeiteten hoch toxischen Wirkstoffen eine große Herausforderung. Sie verlangt extrem hohe Sicherheitsstandards. Eine sensible Filter- sowie eine ausgeklügelte Lüftungstechnik sind da obligatorisch. Hierfür müssen sie den im Bestand gebotenen Platz optimal ausnutzen. Denn die Lüftungstechnik ist ein großer Platzfresser. „Das Layout ist höchst anspruchsvoll“, erklärt Walter. „Es geht um ein ganzes Labyrinth an Leitungen, eine ausgeklügelte Verquickung sämtlicher Komponenten – von Druckhaltung im Normalbetrieb über die Belüftung im Notfallbetrieb bis hin zur Steuerung der Isolatoren. Hinzu kommt die Koordination der Leitungen für die Reinstwasserversorgung. Jedes Kernbohrloch, jede Schweißnaht ist hier einzeln von den jeweiligen Fachleuten zu bewerten und freizugeben. Wir haben bei diesem Projekt wirklich jeden Quadratzentimeter durchdacht und so effizient wie nur möglich genutzt.“
Rundherum High Tech: Der gebotene Platz ist optimal ausgenutzt.
Lange Leitung, kurzer Prozess: Die begrenzten Räumlichkeiten des Bestandsgebäudes erfordern durchdachte Einrichtungskonzepte.
Nicht zuletzt müssen Dekontaminationsduschen für das Personal, das Handling für kontaminiertes Abwasser, die Atemluftversorgung für das Reinigungsteam im Havariefall sowie der Brandschutz im Allgemeinen bis ins kleinste Detail geplant und schließlich umgesetzt werden. Das Generalplaner-Team von io ist zuversichtlich, auch die künftig anstehenden Herausforderungen gekonnt zu meistern.