Interview zum Fachkräftemangel

Wieso haben Sie sich für Hörselberg-Hainich als Standort des neuen Logistikzentrums entschieden?

Das ergab sich nach einer Netzwerkanalyse. Eisenach liegt zentral in der Mitte Deutschlands und Europas und hat Zugang zu den Distributionszentren Bad Hersfeld und Erfurt. Zudem gibt es gute Anbindungen zum Autobahnkreuz A4/A7 und zu den Flughäfen in Frankfurt und Leipzig.

Maximilian Dolch

Head of Corporate Projects bei WEIDMÜLLER

Maximilan Dolch ist seit 2013 bei WEIDMÜLLER. Seit Anfang 2019 begleitet er das Projekt als Projektleiter. Vorab betreute er die Netzwerkanalyse, wodurch er auch die Vorarbeiten des neuen Distributionszentrum begleitete. Seit 2022 ist er für alle strategischen Investitionsprojekte der WEIDMÜLLER-Gruppe verantwortlich.

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In den Gesprächen mit den verschiedenen Institutionen vor Ort stellte sich direkt das Gefühl ein, dass WEIDMÜLLER willkommen ist und durch die Landesentwicklungsgesellschaft sowie die lokale Politik entsprechend unterstützt wird. Darüber hinaus war es auch ein Wunsch, unseren Standort in Thüringen zu stärken und unsere Verbundenheit mit der Region durch dieses Projekt zu bestätigen.

Was waren Ihre spezifischen Anforderungen für das Projekt Next Generation Logistics?

WEIDMÜLLER hat seine Logistik 2016 an einen externen Dienstleister ausgelagert. Daher bedurfte es einer intensiven Analyse des Marktes, um die Anforderungen an ein neues, eigenes Distributionszentrum zu stärken. Neben einem hohen Automatisierungsgrad, einer optimierten Lieferperformance und einem verbesserten Service stand schnell die Arbeitsumgebung im Fokus. WEIDMÜLLER möchte diesbezüglich auf zukunftsweisende, bereits erprobte Technologien setzen, was beispielsweise am Shuttle-Lager und an diversen Robotikanwendungen deutlich wird. Außerdem lag unser Augenmerk auf der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsumgebung – womit wir auch dem Fachkräftemangel begegnen.

Welche besondere Expertise musste ein Generalplaner für die Zusammenarbeit mitbringen?

Uns war insbesondere die übergreifende Betrachtung der verschiedenen Funktionen aus Logistik als Kernelement, IT-System und Gebäude wichtig. Zudem haben wir nach einem Generalplaner mit fundierter Expertise und Referenzen in diesen Bereichen gesucht, da das neue Distributionszentrum das Herzstück unserer Supply Chain ist und somit von Beginn an funktionieren muss. Neben der fachlichen Qualifikation muss aber auch die Chemie zwischen den Beteiligten stimmen. Wir wollen eine gute Zusammenarbeit gewährleisten, was schlussendlich mit io super funktioniert hat.

Inwiefern war die Architektur für Sie von besonderem Interesse?

Das Gebäude erfüllt alle Anforderungen, die die Logistik an es stellte. Darüber hinaus haben wir bei unseren Referenzbesuchen 2019 jedoch festgestellt, dass fast alle Läger zwei Dinge gemeinsam hatten: Zum einen waren sie relativ dunkel und schlecht ausgeleuchtet, zum anderen war es in den Wintermonaten sehr kühl – und im Sommer sehr warm.

Unsere oberste Prämisse war daraufhin, diese beiden Faktoren bestmöglich abzubilden und die beschriebenen ergonomischen Faktoren mit einfließen zu lassen. Dies bildet sich nun in der Glasfassade ab, die viel natürliches Licht ins Gebäude lässt, während die Temperatur über eine Fußbodenheizung und -kühlung gesteuert wird. Dann gab es viele weitere Faktoren, die in der Ausgestaltung des Gebäudes berücksichtigt werden mussten. Dazu gehören die Hanglage des Grundstücks, der Materialfluss in der Logistik sowie die Nutzung der Verwaltung als Veranstaltungsbereich und für Kundenbesuche. All dies spiegelt sich nun in der außergewöhnlichen Architektur des Distributionszentrums wider.

Informationen zur WEIDMÜLLER-Gruppe

Smart Industrial Connectivity: Elektrifizierung, Automatisierung, Digitalisierung, elektrische Verbindungstechnik, Elektromobilität und erneuerbare Energien – Märkte, in denen WEIDMÜLLER zu Hause ist. Das 1850 gegründete Familienunternehmen ist in mehr als 80 Ländern mit Produktionsstätten und Vertriebsgesellschaften vertreten. Als Global Player in der elektrischen Verbindungstechnik erzielte WEIDMÜLLER im Geschäftsjahr 2022 einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro mit rund 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit – davon ca. 2.000 am Stammsitz in Detmold, inmitten von Ostwestfalen-Lippe.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit io?

Uns war früh klar, dass wir uns um einen erfahrenen Planer mit umfassender Expertise und guten Referenzen bemühen wollen. In den Gesprächen mit io hatten wir stets das Gefühl, an der richtigen Adresse zu sein. Insbesondere auch, weil auf alle individuellen Anfragen professionell und in unserem Sinne eingegangen wurde. Das gute Gefühl bestätigte sich konsequent während des weiteren Ausschreibungsverlaufs, weswegen wir uns schließlich einigten. Im September 2019 fanden wir zum gemeinsamen Projekt-Kick-off zusammen.

Gab es Besonderheiten während des Projektverlaufs?

Zunächst natürlich die Corona-Pandemie, die uns von einem Tag auf den anderen ins Home-Office versetzte. Alle geplanten On-Premise-Workshops mussten digital stattfinden. Die Lastenhefte und Pläne wurden fast ausschließlich in Teams- Konferenzen erstellt. Auch die Ausschreibungsunterlagen für die Auswahl der Generalunternehmer entstanden online.

Dann machte auch die Materialverfügbarkeitskrise vor dem Projekt nicht halt. Beispielsweise fehlte das Dämmmaterial für die Glasfassade, wodurch eine Gebäudeseite während des Winters nicht adäquat geschlossen werden konnte. In der Folge gab es Widrigkeiten bei der Installation der Anlage. Daher auch in diesem Zusammenhang nochmal vielen Dank an alle Beteiligten! Dafür, dass sie trotz der Umstände weiter an einem Strang gezogen und wir keine Zeit verloren haben.