HÄFELE feiert 100 Jahre: Neues Versandzentrum eröffnet

Kommissionierer nimmt ein Paket vom Förderband

Ergonomische Gestaltung: Die Kommissionierung verfolgt das Ware-zur-Person-Prinzip.

Mit den rund 15.000 neuen Stellplätzen verfügt das Versandzentrum nun über mehr als 100.000 Plätze.

Portrait Simon Löwisch
Simon Löwisch Projektleiter und Senior Consultant bei io
Kommissionierer scannt mit seinem Handschuh einen Barcode

Moderne Technik: Zur Arbeitserleichterung werden ProGlove- Scanner eingesetzt 

Blick auf die Fördertechnik in einem Hochregallager

Ungefähr 6.000 Pakete verlassen täglich das Versandzentrum.

HÄFELE feiert seinen 100. Geburtstag! Seit 1923 als Familienunternehmen gewachsen, ist HÄFELE längst ein multinationaler Player, der seine rund 150.000 Artikel in mehr als 150 Ländern vertreibt: Möbel- und Baubeschläge, Leuchten und elektronische Schließsysteme. HÄFELE zählt ungefähr 8.000 Mitarbeiter, 38 Tochterunternehmen und setzt jährlich etwa 1,8 Milliarden Euro um. Passend zum Firmenjubiläum erstrahlt sein Logistikzentrum am Stammsitz im baden- württembergischen Nagold in neuem Glanz: Mit io als Generalplaner wurde es um ein neues hochautomatisiertes Hochregallager erweitert.

Die Erweiterung ist Teil der Europastrategie von HÄFELE

Die Bauarbeiten wurden Mitte letzten Jahres abgeschlossen. Die Erweiterung des Versandzentrums ist Teil der sogenannten Europastrategie. Ihr Kernthema ist eine optimierte Logistik, die mit dem Unternehmenswachstum schritthält und besseren Service bieten kann. 2019 wurde in diesem Zuge bereits ein zusätzliches Versandzentrum in Hannover errichtet. Im Rahmen des exklusiven Leistungspakets Generalplanung // plus hat io das Gesamtprojekt von Beginn an begleitet und mitorganisiert. Die Erweiterung des bestehenden Hochregallagers war nun der nächste Meilenstein innerhalb der umfassenden Modernisierung des Logistikzentrums in Nagold.

„Der Startschuss fiel 2018“, erinnert sich Simon Löwisch, Projektleiter und Senior Consultant bei io. „Mit den rund 15.000 neuen Stellplätzen verfügt das Versandzentrum nun über mehr als 100.000 Plätze.“ 
Die Herausforderung des Projekts bestand darin, ein Gesamtkonzept für den Standort zu entwickeln, das die bestehenden Strukturen berücksichtigt. Neben den reinen Neubauten und Erweiterungen wurden daher auch bestehende Prozesse angepasst und die vorhandene logistische Technik in das Gesamtkonzept integriert. Das neue Hochregallager besticht durch modernste Lagertechnik – und durch ein zeitgemäßes Nachhaltigkeitskonzept. „Wir erarbeiteten es anhand dreier Säulen: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Wobei auch die Arbeitsplatzgestaltung eine Rolle spielt“, wie Löwisch spezifiziert. „Im neuen Lager ist alles nach ergonomischen Gesichtspunkten gestaltet.“ Dazu gehören – neben der Kommissionierung nach dem Ware-zur-Person-Prinzip – auch moderne Techniken wie Put-to-Light, ProGlove-Scanner und eine leistungsstarke Elektrobodenbahn. „Sämtliche Maßnahmen wurden während des laufenden Betriebs realisiert“, erklärt Löwisch weiter. HÄFELE konnte stets seine volle Auslieferfähigkeit beibehalten – und entsprechend täglich rund 6.000 Pakete von Nagold aus versenden.

Ausgefeilter Migrationsplan für umfangreiche Maßnahmen

Im Zuge der Generalplanung // plus wurde auch die IT angepasst. So wurde beispielsweise ein neues Template für die einheitliche Umstellung auf SAP MFS erstellt. „Wir schrieben dafür das Lastenheft und begleiteten die Maßnahmen von der Konzeption bis zur Ausschreibung“, führt Löwisch aus. Umfangreiche Maßnahmen wie diese setzen natürlich einen ausgefeilten Migrationsplan voraus. „Er strukturiert die Frage: Wie komme ich vom Ist zum Soll? Sämtliche Gewerke waren in seiner Ausarbeitung involviert. Er wurde immer weiter konkretisiert und laufend überwacht.“ Wie es eben so ist, wenn alle Maßnahmen unter einen Hut gebracht – und parallel noch weitere Hürden bewältigt werden müssen. Neben dem Neubau galt es schließlich, auch die Bestandsgebäude logistisch und baulich zu ertüchtigen, was in vielen Einzelmaßnahmen mündete.

„In der Praxis heißt das: Bereiche freiräumen, Waren umlagern, Hallen umbauen, um dann die neue Fördertechnik aufbauen zu können – und dies alles störungsarm, um den laufenden Betrieb nicht aufzuhalten“, so Löwisch. Auch die neuen Regalbediengeräte wurden im normalen Arbeitsalltag integriert – mittels zweier Autokräne, von denen der größere eine Spannweite von über 40 Metern hat. Pro Gasse wurde dafür zuerst das tonnenschwere Fahrwerk über eigens geschaffene Dachöffnungen eingelassen. Dann wurden die vormontierten Masten – sie messen jeweils 22 Meter – von oben eingebracht. Deren Verankerung und Verschraubung erfolgte in Windeseile: Es dauerte jeweils nur etwa 40 Minuten.

Natürlich hat sich auch Corona während des Projekts bemerkbar gemacht: Die Pandemie und die verhängten Auflagen fielen mitten in die planerischen und baulichen Maßnahmen. „Vieles musste daher über digitale Kanäle abgestimmt werden – und zwar von heute auf morgen“, berichtet Löwisch. „Außerdem war während der Pandemie die Lieferverfügbarkeit von wichtigen Rohstoffen oder Elektronikkomponenten nicht mehr gegeben, während gleichzeitig die Preise explodierten.“ Dennoch konnte das Projekt innerhalb des Kosten- und Terminrahmens abgeschlossen werden – auch dank einer robusten Generalplanung. Der Startschuss fiel 2018.